anstehende Termine
There are no upcoming events currently scheduled.
Zum Kalender
Mai 2012 Juni 2012
So Mo Di Mi Do Fr Sa
Woche 18 1 2 3 4 5
Woche 19 6 7 8 9 10 11 12
Woche 20 13 14 15 16 17 18 19
Woche 21 20 21 22 23 24 25 26
Woche 22 27 28 29 30 31

Donnerstag, 22. April 2010


aus WAZ

von Henrik Stan:

Heidhausen. Mit diesem Echo hatte niemand beim Werdener Turnerbund gerechnet: Kaum war die Diskussion um Führungszeugnisse für Jugendtrainer eröffnet, da hagelte es Kritik von allen Seiten.

Panikmache warf man den Werdenern vor, Wolfgang Rohrberg, Vorsitzender des Essener Sportbunds (ESPO) wollte gar hysterische Züge in der Debatte ausgemacht haben und riet, „den Ball flach zu halten“. Rudolf Jelinek, sportpolitischer Sprecher der SPD Essen, warnte vor einer „Zerrüttung des Vertrauens zwischen Vorständen und Ehrenamtlichen“.

Olympischer Sportbund teilt die Auffassung

Ulrich Kromer, Vorsitzender des Sportverbunds Werden-Ruhr und WTB-Vize, irritierten vor allem Rohrbergs harte Worte. „Der Antrag stammt von einem Kinderpsychologen und war sehr sorgfältig formuliert. Niemand im WTB-Vorstand hatte etwas daran auszusetzen.“

Schließlich fordert der Verein von seinen tadellos beleumundeten Übungsleitern ausdrücklich keine nachträgliche Offenlegung eines etwaigen Vorstrafenregisters. Die Vorlage des Auszugs aus der Bundeskartei will man nur von Bewerbern sowie von Club-Trainern, die im besonders sensiblen Kinder- und Jugendbereich arbeiten, fordern.

„Wir können eigentlich gar nicht anders handeln“, meint Daniel Henschke, Trainer beim SC Werden-Heidhausen. Er argumentiert juristisch. „Sogar der Deutsche Olympische Sportbund teilt unsere Rechtsauffassung.“ Der Dachverband empfiehlt auf der Grundlage des Kinderschutzgesetzes (Novelle vom Mai 2009) und des Jugendarbeitsschutzgesetzes Einsichtnahme ins erweiterte polizeiliche Führungszeugnis.

Dieses gibt Auskunft über alle Gesetzesverstöße ab einem Strafmaß von 60 Tagessätzen, enthält also auch Hinweise auf Delikte wie Exhibitionismus und Verbreitung von Kinderpornografie. Diese Vorgehensweise ist obligatorisch und gehört zum Standard bei der Einstellung von Schwimmmeistern, Erziehern, Leitern von Kinder- und Jugendfreizeitgruppen, sogar Schulbusfahrern.

„Uns ist völlig klar, dass wir mit diesen Auskünften verantwortungsbewusst und vertraulich umzugehen haben“, stellt Kromer klar. Charles A. Albrecht-Loyns, Geschäftsführer des BSV Gut Ziel, skizzierte die mögliche Vorgehensweise: „Ich bin dagegen, ein solches Dokument bei den Vereinsunterlagen aufzubewahren. Besser wäre es, wenn die Vorstandsmitglieder zu einer Sitzung zusammen kommen, das Papier prüfen und anschließend zurückgeben oder vernichten. Das Sitzungsprotokoll sollte als belastbare Unterlage reichen.“

Es gelte auch, naive Zeitgenossen vor „durchgeknallten“ Eltern zu schützen, ergänzt Henschke. „Ich musste mal einen Trainer beiseite nehmen, einen totguten Kerl, und ihm sagen, dass er nicht mehr mit den Kindern duschen darf. Der hat nicht begriffen, was ich von ihm wollte.“ Als der Groschen gefallen und ihm der indirekte Vorwurf bewusst war, sei er in Tränen ausgebrochen. Henschke wünscht sich für Fälle wie diesen eine psychologische Schulung.

Nun geht die Diskussion zurück in die Vereine. Der Sportverband wünscht sich ein mit allen Beteiligten abgestimmtes, einheitliches Vorgehen. Henschke: „Schon das Signal, das wir aussenden, kann hilfreich sein. Dass wir aufpassen, wer bei uns Kinder und Jugendliche betreut, beweist den Eltern, wie sehr wir uns kümmern. Umgekehrt kann schon die Ankündigung abschreckend wirken.“